Friedensseufzer

Sonntag, 28. Juni 2015, 17.00 in der CityKirche Konkordien

 

Plakat zum Konzert Friedensseufzer vom 28. Juni 2015: Oranges Plakat, oben ein schwarzes Quadrat mit dem Titel Friedensseufzer und den Programminformationen in  weißer Schrift, darunter in schwarzer Schrift das Logo der Konkordienkantorei

  „Ach Gott! Wir habens nicht gewußt,
  was Krieg vor eine Plage ist. [...] 
  Denn da gehet Gut weg, da gehet Mut weg, 
  da gehet Blut weg, da gehet alles weg.
  Da muß man sein Brot mit Sorge im Elende essen, 
  da muß man sein Wasser mit Beben trinken, 
  da höret man nichts als auf allen Straßen: 
  Weh, weh! Ach, ach, wie sind wir so verderbet!“

Johann Hildebrand, 5. Krieges-Angst-Seufftzer, Leipzig 1645

Johann Hildebrand (1614–1684) lebte während des Dreißigjährigen Krieges und war seit 1637 Organist in Eilenburg (bei Leipzig). Er komponierte eine Sammlung von sechs Monodien (solistischer Gesang mit harmonisierender Begleitung) und fünf Kantionalsätzen (Liedsätze), die 1645 unter dem Titel Krieges-Angst-Seufftzer veröffentlicht wurden.

Hildebrand beschreibt in diesen ausdrucksstarken Monodien die Qualen und das Entsetzen über die Folgen des Krieges. Der fünfte Krieges-Angst-Seufftzer ist ein Aufschrei in der Not und eine Bitte nach göttlicher Zuwendung: „daß wir in Frieden deinen Tempel besuchen, in Frieden dich loben und preisen, in Frieden selig sein mögen.“

Der renommierte Heidelberger Tenor Sebastian Hübner hat, zusammen mit Stephan Rath, Lautenist und Mitglied der Batzdorfer Hofkapelle, u. a. zwei der Monodien von Johann Hildebrand musiziert.

In unserem Konzert hörten sie die Konkordien-Kantorei mit Werken aus verschiedenen Jahrhunderten, die sich mit dem Friedensaspekt auseinandersetzten.

So haben wir zum Beispiel das eher selten aufgeführte Pater Noster von Max Baumann musiziert. Baumann (1917–1999), Kompositionsschüler von Boris Blacher, war Chordirektor in Stralsund und über viele Jahre als Professor für Klavier und Tonsatz an der Berliner Musikhochschule tätig.

Das Pater Noster teilt den Chor in acht Stimmen und vertont in ausdrucksstarker Weise das Vaterunser. Klangliche Farbigkeit, rhythmische Strenge und intensive Textausdeutung lassen es zu einem wertvollen Stück der neueren vokalen Musikliteratur werden.

Zwei sehr unterschiedliche Verleih uns Frieden-Vertonungen haben das Konzertprogramm bereichert. Die frühbarocke Fassung von Heinrich Schütz (1585–1672) ist in ihrer Fünfstimmigkeit und deklamatorischen Dichte ein Dokument seiner hohen Kompositionskunst. Dagegen stand die romantische Vertonung des Spohrschülers und Thomaskantors Moritz Hauptmann (1792–1868).

Mit der Motette Fürchte dich nicht, ich bin bei dir von Johann Sebastian Bach (1685–1750) wandten wir uns dem tröstenden Teil des Abends zu. In Doppelchörigkeit und tonaler und rhythmischer Raffiniertheit vertont Bach die ersten Textworte. In der Fuge, die sich mit dem Erlösungsgedanken beschäftigt, wird die Motette mit der tröstenden Choralzeile „Herr, mein Hirt, Brunn aller Freuden“ abgerundet.

Heike Kiefner-Jesatko


[1] Stefan Hahnheide, Johann Hildebrand, Krieges-Angst-Seufftzer 1645, Electronic Publishing Osnabrück, S. IX